Er war kein Trainer, der Vereine aufbaute — er war einer, der immer wieder neu anfing. Werner Lorants Beitrittsdaten lesen sich wie die Chronik eines Lebens, das ohne Fußball keinen Rahmen hatte: über zwei Dutzend Stationen auf drei Kontinenten, vom Profiverein bis zum österreichischen Fünftligisten. Als er am 20. April 2025 in Wasserburg am Inn starb, hinterließ er nicht nur eine der bemerkenswertesten Karrierebiografien des deutschen Fußballs — er hinterließ auch die Frage, was einen Mann antreibt, immer wieder aufzubrechen.
Der Spieler: Beitritte zwischen Abstieg und Neubeginn
Wer Werner Lorants Vereinsliste als Spieler durchgeht, erkennt schnell ein Muster, das sein späteres Trainerleben vorwegnimmt: Er trat nicht den sicheren Vereinen bei, sondern den kämpfenden. Westfalia Herne war 1970 seine erste Profistation, damals noch in der zweiten Liga — ein Verein ohne Glamour, aber mit Leidenschaft. 1971 folgte der Wechsel zu Borussia Dortmund, der ihn in die Bundesliga brachte. Dort erlebte er gleich in der Saison 1971/72 ein legendäres 1:11 gegen Bayern München und stieg mit dem Club ab — der erste von insgesamt vier Abstiegen in seiner Spielerkarriere.
Der Beitritt zu Rot-Weiss Essen 1973 war folgerichtig: Essen war gerade aufgestiegen, die Bundesliga rief erneut. Vier Jahre lang spielte Lorant dort, an der Seite von Stürmern wie Horst Hrubesch und Manfred Burgsmüller, bis auch dieser Verein 1977 abstieg. Dann 1. FC Saarbrücken — wieder Abstieg. Man könnte meinen, Lorant suchte das Scheitern. Tatsächlich suchte er den Kampf.
Der wichtigste Beitritt seiner Spielerlaufbahn kam 1978: Eintracht Frankfurt. Fast viereinhalb Jahre blieb er dort, länger als an jedem anderen Verein zuvor oder danach. Mit Frankfurt gewann er 1980 den UEFA Cup, 1981 den DFB-Pokal. Er spielte neben Weltmeistern wie Jürgen Grabowski und Bernd Hölzenbein. Hölzenbein beschrieb Lorants Wirkung auf gegnerische Spieler später so: Allein die Drohung, ihn auf jemanden zu hetzen, habe für Ruhe gesorgt. “Werner Beinhart” — der Spitzname saß.
1982 folgte dann der Wechsel zu Schalke 04, 1983 zu Hannover 96. Beide Male: kurz, beide Male: Abstiegskampf, beide Male: Ende. In 325 Bundesligaspielen erzielte Lorant 46 Tore — eine beachtliche Bilanz für einen Defensivspieler, der nie als Torjäger auftrat, aber eben immer präsent war.
Vom Spieler zum Trainer: Die stillen Anfänge
Den meisten ist Lorant als Trainer bekannt. Doch bevor er 1992 zu TSV 1860 München stieß, gab es Jahre, die kaum jemand kennt — und die zeigen, wie konsequent er seinen Weg selbst baute. 1982 übernahm er parallel zu seiner Spielerkarriere einen kleinen Amateurverein als Teilzeitcoach. 1984 wurde er Spielertrainer beim SV Heidingsfeld, einem Würzburger Verein ohne nationale Bekanntheit. Zwei Jahre lang, bis 1986.
Dann 1. FC Schweinfurt 05, von 1986 bis 1990 — vier Jahre, für Lorant eine Ewigkeit. Er holte die Amateurmeisterschaft in der damaligen drittklassigen Bayernliga. Von 1990 bis 1992 coachte er Viktoria Aschaffenburg, gewann dort ebenfalls den Drittliga-Meistertitel. Er hatte in der Provinz bewiesen, dass er Mannschaften formen konnte. Die Bühne war bereit für 1860.
TSV 1860 München: Neun Jahre, die alles bedeuteten
Der Beitritt zu TSV 1860 München im Jahr 1992 war der wichtigste in Lorants Leben — als Trainer wie als Mensch. Der Verein stand in der drittklassigen Bayernliga, war finanzschwach und ohne klare Perspektive. Lorant formte ihn innerhalb von zwei Jahren zum Bundesligaverein. 1994 Aufstieg in die zweite Liga, 1995 direkt weiter in die Bundesliga — eine Leistung, die heute noch von Löwen-Fans erzählt wird.
Was folgte, war der Höhepunkt seiner Karriere: 1997 erstmals UEFA-Cup-Teilnahme, 2000 Platz vier in der Bundesliga und die Qualifikation für die Champions-League-Playoffs. Dort scheiterte 1860 an Leeds United — doch allein die Tatsache, dass ein Verein aus der bayerischen Provinz in dieser Runde stand, war Lorants Werk. Unter seiner Regie entdeckte er Talente wie Jens Jeremies, der später zu Bayern München und zur Nationalmannschaft aufstieg. Er holte Stars wie Thomas Häßler und internationale Spieler wie Abédi Pelé nach München.
Das Ende kam im Oktober 2001, nach einem 1:5-Derby gegen Bayern München am neunten Spieltag. Präsident Karl-Heinz Wildmoser entließ ihn. Lorant verließ den Verein, dem er neun Jahre gegeben hatte, ohne große Verabschiedung. Auf der Website von 1860 hieß es nach seinem Tod im April 2025: “Werner Lorant war eine Trainer-Legende. Er hat tiefe Spuren bei den Löwen hinterlassen.”
Die Wanderjahre: Beitrittsdaten ohne Heimat
Was nach 1860 folgte, ist das vielleicht faszinierendste Kapitel — und das am wenigsten erzählte. Lorant trat Vereinen auf fünf Kontinenten bei, fast keines der Engagements dauerte länger als ein Jahr. 2002 übernahm er Fenerbahçe in der Türkei, eines der größten Clubs des Landes. Wenige Monate später war er wieder weg. LR Ahlen in Deutschland, 2002 bis 2003. Dann Incheon United in Südkorea, 2003 bis 2004. APOEL Nikosia in Zypern, 2005 — dort wurde er Vizemeister, doch der Verein wollte den Titel, nicht den zweiten Platz. Saipa Karaj in Iran, 2006. Sivasspor und Kayseri Erciyesspor in der Türkei. Liaoning Hongyun in China, 2008. DAC Dunajská Streda in der Slowakei, 2008 bis 2009, dann noch einmal 2012.
Zurück in Deutschland: SpVgg Unterhaching 2007, SV ATA Spor München 2008. 2015 übernahm er TSV Waging in Bayern bis zum Saisonende — ein Fünftligist. 2017 ÖTSU Hallein in Österreich. 2019 FC Hallein 04, ebenfalls Österreich, ebenfalls fünfte Liga, ebenfalls nur bis Saisonende.
Was trieb ihn an? Seine Schwester Erika Feierabend antwortete auf diese Frage nach seinem Tod ohne Umschweife: Der Fußball sei sein “Ein und Alles” gewesen. “Als er den Fußball nicht mehr hatte, ging es ihm nicht mehr so gut.” Das erklärt die Beitrittsdaten besser als jede taktische Analyse. Lorant unterschrieb nicht, weil die Angebote gut waren. Er unterschrieb, weil er sonst nicht wusste, wer er war.
Was die Beitrittsdaten wirklich verraten
Eine nüchterne Aufzählung seiner Vereinseintritte würde ergeben: über 20 Trainerengagements in rund 35 Jahren, dazu sechs Spielervereine. Wer diese Liste liest wie eine Häufung von Misserfolgen, versteht Lorant nicht. Wer sie liest wie die Biografie eines Mannes, der immer wieder bereit war, neu anzufangen, der versteht ihn sehr gut.
Dabei fällt auf: Die wenigen langen Engagements — Frankfurt als Spieler (1978–1982), Schweinfurt als Trainer (1986–1990), 1860 München (1992–2001) — entstanden immer dort, wo Lorant echte Gestaltungsmacht hatte. Wo er nur Verwalter war, zog er weiter. Das ist kein Zeichen von Rastlosigkeit, sondern von Prinzip.
Dass er 2019, im Alter von 70 Jahren, noch einmal beim FC Hallein 04 in der österreichischen Fünftklassigkeit anheuerte, ist in diesem Licht kein trauriges Detail. Es ist die logische Fortsetzung einer Haltung, die er sein ganzes Leben durchgehalten hatte: Hauptsache Fußball, Hauptsache auf dem Platz, Hauptsache dazugehören.
Fazit: Eine Karriere, die sich nicht in Tabellen fassen lässt
Werner Lorant hinterließ eine Statistik, die beeindruckt: als Trainer 375 Spiele, 139 Siege laut DFB-Datencenter. Als Spieler 325 Bundesligapartien, 46 Tore, UEFA Cup, DFB-Pokal. Doch wer verstehen will, wer dieser Mann war, muss seine Beitrittsdaten anders lesen — nicht als Lebenslauf, sondern als Protokoll einer Überzeugung. Der Fußball war nicht sein Beruf. Er war seine Existenzform. Und solange irgendein Verein ihn brauchte, war Lorant bereit, wieder anzufangen.
FAQ: Werner Lorant — Beitrittsdaten und Karriere
Wann trat Werner Lorant als Trainer zu TSV 1860 München bei? Lorant übernahm TSV 1860 München 1992, als der Verein in der drittklassigen Bayernliga spielte. Er blieb bis Oktober 2001 — mit neun Jahren sein mit Abstand längstes Trainerengagement.
Welche Vereine trainierte Werner Lorant nach 1860 München? Nach seinem Abgang bei 1860 folgten unter anderem Fenerbahçe (2002), LR Ahlen, Incheon United (Südkorea), APOEL Nikosia, Sivasspor, Kayseri Erciyesspor, Saipa Karaj (Iran), SpVgg Unterhaching, Liaoning Hongyun (China), DAC Dunajská Streda (Slowakei) sowie in späteren Jahren kleinere Clubs in Bayern und Österreich.
Wann begann Werner Lorant seine Trainerkarriere? Der Übergang vom Spieler zum Trainer war fließend. Bereits 1982 coachte er nebenher einen Amateurverein. 1984 wurde er Spielertrainer beim SV Heidingsfeld, 1986 übernahm er seinen ersten Vollzeit-Trainerposten beim 1. FC Schweinfurt 05.
Warum wechselte Werner Lorant so oft den Verein? Die häufigen Vereinswechsel hatten verschiedene Gründe — manchmal Entlassungen nach Misserfolgen, manchmal eigene Entscheidungen. Seine Schwester beschrieb nach seinem Tod, dass Fußball sein “Ein und Alles” war. Ohne aktives Engagement fühlte er sich offenbar nicht vollständig. Das erklärt, warum er noch 2019 im Alter von 70 Jahren einen österreichischen Fünftligisten übernahm.
Wann und wo ist Werner Lorant gestorben? Werner Lorant starb am 20. April 2025 — dem Ostersonntag — nach längerer Krankheit in einem Krankenhaus in Wasserburg am Inn in Bayern. Er wurde 76 Jahre alt.
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