41 Jahre alt. Sechste Weltmeisterschaft in Folge. Ein Rekord, den vor ihm niemand aufgestellt hat. Und doch: Als Cristiano Ronaldo am 18. Juni 2026 im Houston-Stadion gegen die DR Kongo auf den Platz lief, war die Frage nicht mehr, ob er noch zur Weltklasse gehört – sondern wie lange noch.
Portugal kam gegen den vermeintlichen Außenseiter nur zu einem 1:1. Eine frühe Führung von Joao Neves wurde in der Schlussphase der ersten Halbzeit ausgeglichen. Und mittendrin: eine Szene, die zum Symbol des Abends wurde. Eine Hereingabe von rechts, Ronaldo nahm sie direkt – und schoss am Tor vorbei. Hinter ihm: Bruno Fernandes, frei und besser postiert, der sich mit erhobenen Händen beschwerte.
Es hätte das 2:1 sein können. Es wurde ein Fragezeichen.
Vom Wunderkind zur Weltmarke: Wer ist Cristiano Ronaldo?
Um zu verstehen, warum dieser eine verschossene Chance so viel Aufmerksamkeit bekommt, muss man wissen, wer Cristiano Ronaldo ist – und was er für den Weltfußball bedeutet.
Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro wurde 1985 auf Madeira, Portugal, geboren – aus einfachen Verhältnissen. Schon bei der EM 2004 schaffte er es als Nachwuchstalent mit der portugiesischen Nationalmannschaft ins Finale. Bei der WM 2006 gegen Deutschland um Platz drei verwechselten ihn manche noch mit seinem brasilianischen Namensvetter Ronaldo.
Das änderte sich schnell. Cristiano Ronaldo wurde zur Tormaschine, zur globalen Marke, zum mehrfachen englischen, spanischen, italienischen – und zuletzt auch saudi-arabischen Meister. 2016 führte er Portugal zum Europameistertitel. Heute gibt es ein eigenes CR7-Museum in seinem Geburtsort Funchal, in dem Fans seine Pokale, Trophäen und goldenen Bälle bewundern können.
Er ist, ohne Übertreibung, einer der einflussreichsten Sportler des 21. Jahrhunderts.
Ein historischer Rekord – mit ungewissem Ausgang
Mit seiner Teilnahme an der WM 2026 stellt Ronaldo einen bemerkenswerten Rekord auf: Es ist seine sechste Weltmeisterschaft in Folge. Zuvor hatten Lothar Matthäus, Antonio Carbajal und Gianluigi Buffon jeweils fünf WM-Teilnahmen vorzuweisen – Ronaldo übertrifft sie nun alle.
Doch Rekorde allein gewinnen keine Spiele. Sein letztes Tor bei einem großen Turnier liegt bereits zehn Spiele und 802 Minuten zurück. Im Auftaktspiel der WM 2022 in Katar traf er noch per Elfmeter – seitdem, auch bei der EM 2024 in Deutschland, blieb er ohne Turniertreffer.
Die portugiesische Presse reagierte nach dem Unentschieden gegen die DR Kongo hart. Die Tageszeitung Publico schrieb, das Team habe sich seinem Vertrauen in Ronaldo „ausgeliefert” – doch Vertrauen allein genüge nicht, „erst recht nicht beim aktuellen Ronaldo”. Die Wirtschaftszeitung Expresso brachte es noch direkter auf den Punkt: „Houston, wir haben ein Problem.”
Sichtlich getroffen: Ronaldos Reaktion
Nach dem Spiel lehnte Cristiano Ronaldo sämtliche Interviewanfragen ab. Sichtlich getroffen schlich er im Pulk seiner Mitspieler an den rund 60 wartenden Journalisten vorbei aus dem Stadion.
Trainer Roberto Martínez, der seinen Posten nach dem Turnier abgeben wird, versuchte zu beruhigen: „Es ist besser, in der Gruppenphase so eine Leistung zu zeigen und sich noch deutlich zu verbessern, denn die Einstellung war sehr gut.” Doch hinter den diplomatischen Worten steckt eine schwierige Realität: Martínez muss entscheiden, ob Ronaldo gegen Usbekistan erneut die zentrale Figur im Angriff bleibt.
Diese Entscheidung wiegt schwer – nicht zuletzt wegen der „historischen Bürde”, wie es portugiesische Medien formulieren: Ronaldo in guten wie in schlechten Zeiten auf dem Platz zu halten.
Eine Karriere, die niemanden kalt lässt
Was Ronaldos Geschichte so besonders macht, ist die Polarisierung, die ihn schon immer begleitet hat. Man liebt ihn oder man hasst ihn – eine neutrale Haltung gegenüber CR7 scheint kaum zu existieren.
Schon vor der WM gab es Debatten um seine Nominierung. Der ehemalige deutsche Nationalspieler Dietmar Hamann plädierte öffentlich dafür, Ronaldo nicht mitzunehmen: „Cristiano Ronaldos Einfluss war schon bei der letzten Europameisterschaft sehr begrenzt. Bei der Weltmeisterschaft muss man bedenken, dass er dann noch zwei Jahre älter ist.” Er empfahl, jüngeren Spielern wie Goncalo Ramos die Chance zu geben.
Teamkollege Vitinha hingegen zeigte sich vor dem Turnier zuversichtlich, dass Ronaldo trotz wachsender Kritik weiterhin eine zentrale Rolle spielen würde – unter anderem wegen seiner außergewöhnlichen körperlichen Verfassung, die für einen 41-Jährigen tatsächlich beeindruckend ist.
Ähnlich wie David Beckham, der seinen Platz in der Fußballgeschichte längst gesichert hat, kämpft auch Ronaldo nun mit der Frage, die jeden großen Sportler irgendwann erreicht: Wann ist der richtige Zeitpunkt, loszulassen?
Was dieser Moment für Ronaldos Vermächtnis bedeutet
Cristiano Ronaldo hat in seiner Karriere praktisch alles gewonnen, was es im Klubfußball zu gewinnen gibt. Der einzige große Titel, der ihm auf internationaler Ebene fehlt, ist der WM-Pokal. 2026 könnte seine letzte realistische Chance sein, dieses Kapitel seiner Geschichte zu vervollständigen.
Genau das macht jeden verschossenen Ball, jede ungenutzte Chance so symbolisch. Es geht nicht mehr nur um ein Spiel gegen die DR Kongo. Es geht um die letzten Kapitel einer der größten Karrieren der Fußballgeschichte.
Ob Cristiano Ronaldo dieses letzte große Ziel noch erreicht, ist offen. Was sicher ist: Die ganze Fußballwelt schaut zu – egal, ob aus Bewunderung oder Skepsis.
FAQ: Cristiano Ronaldo WM 2026
Wie alt ist Cristiano Ronaldo bei der WM 2026? Cristiano Ronaldo ist 41 Jahre alt. Damit stellt er einen Rekord auf: Es ist seine sechste Weltmeisterschaft in Folge – mehr als jeder andere Spieler vor ihm.
Wie verlief Portugals Auftaktspiel bei der WM 2026? Portugal trennte sich am 18. Juni 2026 von der DR Kongo mit einem 1:1-Unentschieden. Eine frühe Führung durch Joao Neves wurde noch vor der Halbzeitpause durch Yoane Wissa ausgeglichen.
Wann hat Cristiano Ronaldo zuletzt bei einem großen Turnier ein Tor erzielt? Sein letztes Turniertor erzielte er per Elfmeter im Auftaktspiel der WM 2022 in Katar. Seitdem blieb er bei großen Turnieren – auch bei der EM 2024 – ohne weiteren Treffer.
Wird Cristiano Ronaldo gegen Usbekistan wieder spielen? Das ist noch offen. Trainer Roberto Martínez steht vor der Entscheidung, ob Ronaldo weiterhin die zentrale Figur im Angriff bleibt, nachdem die Leistung gegen die DR Kongo kritisch aufgenommen wurde.
Wie viele WM-Teilnahmen hatte Cristiano Ronaldo vor diesem Rekord? Mit seiner sechsten WM-Teilnahme in Folge übertrifft er die bisherigen Rekordhalter Lothar Matthäus, Antonio Carbajal und Gianluigi Buffon, die jeweils fünf WM-Teilnahmen aufweisen konnten.
Welche Titel fehlen Cristiano Ronaldo noch in seiner Karriere? Der WM-Titel ist der bedeutendste internationale Titel, der Cristiano Ronaldo in seiner Karriere noch fehlt. Er gewann bereits die Europameisterschaft 2016 mit Portugal sowie zahlreiche Meisterschaften und internationale Klubtitel.
Fazit
Cristiano Ronaldo bei der WM 2026 – das ist die Geschichte eines Mannes, der die Zeit bislang besser besiegt hat als fast jeder andere Sportler der Geschichte. Mit 41 Jahren noch immer Kapitän, noch immer gesetzt, noch immer im Mittelpunkt jeder Diskussion.
Doch der Fehlstart gegen die DR Kongo zeigt: Auch Legenden sind nicht unsterblich. Die Frage, die sich Portugal jetzt stellen muss, ist nicht mehr, ob Ronaldo eine Belastung ist – sondern wie lange sein Name noch automatisch auf der Startelf-Liste steht.
Eine Karriere, die niemanden kalt lässt. Und ein Turnier, das gerade erst begonnen hat.
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