Wenn ein Moderator sein Cello mit auf Dreharbeiten in eine fränkische Höhle nimmt, nur weil dort ein Musiker auf Naturklänge spezialisiert ist, dann steckt dahinter mehr als Zufall. Ramon Babazadeh hat sich in wenigen Jahren zu einem der gefragtesten Gesichter deutscher Reiseformate entwickelt, und wer genauer hinschaut, erkennt ein durchdachtes journalistisches Konzept hinter seiner scheinbar spontanen Art.
Seit 2022 berichtet der gebürtige Braunschweiger für SWR und WDR im Format “Wunderschön” über Reiseziele weltweit, von den Kapverdischen Inseln bis nach Südpolen. Bereits seit 2021 moderiert er zudem “Expedition in die Heimat” für den SWR, wo er den deutschen Südwesten erkundet. Diese Doppelrolle als Moderator zweier paralleler Reiseformate ist ungewöhnlich und sagt einiges über seine Position in der Senderlandschaft aus.
Vom Radioreporter zum TV-Gesicht
Babazadehs Weg ins Fernsehen begann nicht vor, sondern hinter der Kamera. Während seines Studiums der Allgemeinen Rhetorik an der Universität Tübingen sammelte er erste Erfahrungen als Radioreporter beim Südwestrundfunk. Diese Phase war entscheidend, denn sie unterscheidet ihn von vielen anderen Fernsehgesichtern: Statt über ein Casting oder eine Schauspielausbildung kam er über die akademische Auseinandersetzung mit Sprache und Überzeugungskraft zum Journalismus.
Diese rhetorische Grundausbildung lässt sich in seiner heutigen Arbeit konkret nachweisen. 2020 wurde er für sein multimediales Projekt “Eine Woche im Pflegeheim” mit dem Kurt-Magnus-Preis der ARD ausgezeichnet, einem Nachwuchspreis, der gezielt sensible Themenaufbereitung würdigt. Das zeigt: Lange bevor er als Reisemoderator bekannt wurde, hatte er bereits journalistisches Handwerk in einem völlig anderen, deutlich ernsteren Themenfeld bewiesen.
Die Cello-Methode: Musik als Türöffner
Was Babazadeh tatsächlich von klassischen Reisemoderatoren unterscheidet, ist sein gezielter Einsatz von Musik als Recherche- und Annäherungsinstrument. Er spielt Cello und nimmt das Instrument bewusst mit auf Reisen, um mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Bei Dreharbeiten in der Fränkischen Schweiz etwa traf er auf den Musiker Frank Wendeberg, der Konzerte in Höhlen spielt und sich mit Naturklängen beschäftigt. Statt das nur zu beobachten, packte Babazadeh sein eigenes Cello aus und wurde Teil der Szene, die er eigentlich dokumentieren sollte.
Diese Methode unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Reisejournalismus, bei dem der Moderator meist Beobachter bleibt. Babazadeh wird selbst zum Akteur und schafft dadurch Situationen, die sich nicht inszenieren lassen. Er selbst beschreibt dieses Prinzip so, dass bei “Wunderschön” oft ungeplante, spontane Situationen entstehen, etwa als das Team in Liechtenstein zufällig auf ein Konzert der Fantastischen Vier stieß und spontan Kontakt zur Band aufnahm.
Zwischen zwei Sendern: Was das für seine Rolle bedeutet
Bemerkenswert ist, dass Babazadeh gleichzeitig für SWR und WDR aktiv ist, zwei eigenständige ARD-Anstalten mit jeweils eigenen Redaktionen. Das ist im öffentlich-rechtlichen Rundfunk keine Selbstverständlichkeit, da Moderatoren meist stärker an einen einzelnen Sender gebunden sind. Zusätzlich arbeitet er auch als Redakteur beim SWR, nicht nur als Moderator vor der Kamera. Diese Doppelfunktion als Redakteur und Moderator gibt ihm inhaltlichen Einfluss auf die Gestaltung der Formate, in denen er auftritt, ein Umstand, der in den bisherigen Porträts kaum erwähnt wird.
Diese Konstellation erklärt auch, warum seine Reportagen oft persönlicher wirken als klassische Reisesendungen. Wer als Redakteur an der eigenen Sendung mitarbeitet, kann thematische Schwerpunkte stärker selbst steuern, statt nur ein vorgegebenes Skript abzuarbeiten.
Trailrunning als journalistisches Werkzeug
Neben der Musik nutzt Babazadeh auch sportliche Aktivität gezielt für seine Arbeit. Er ist begeisterter Trailrunner und joggt nach eigener Aussage gerne barfuß, um ein intensiveres Gefühl für die jeweilige Landschaft zu bekommen. Auch das ist mehr als eine private Vorliebe: Wer eine Region laufend erkundet, bewegt sich anders durch sie als jemand, der nur mit dem Kamerateam von Drehort zu Drehort fährt. Diese körperliche Auseinandersetzung mit dem Terrain fließt erkennbar in die Bildsprache seiner Reportagen ein, die oft kleine, unscheinbare Wege und Orte zeigen statt nur die bekannten Sehenswürdigkeiten.
Er selbst bezeichnet sich als “Schwabe aus Überzeugung”, eine Selbstzuschreibung, die zu seiner bevorzugten Arbeitsweise passt: Ordnung und Zuverlässigkeit bei der Vorbereitung, gepaart mit der Offenheit, vor laufender Kamera Pläne spontan über den Haufen zu werfen.
Warum sein Stil bei jüngerem Publikum funktioniert
Klassische Reiseformate im deutschen Fernsehen galten lange als eher konservativ, mit Moderatoren, die primär präsentieren statt selbst Teil der Geschichte zu werden. Babazadehs Ansatz, aktiv mitzuwirken, ob musikalisch oder sportlich, bricht mit diesem Muster. Genau das könnte erklären, warum er innerhalb weniger Jahre zu einem der bekannteren Gesichter der ARD-Reiseformate aufgestiegen ist, obwohl er erst seit 2021 regelmäßig vor der Kamera steht.
Über sein Privatleben hält er sich bewusst zurück, was in mehreren Quellen übereinstimmend bestätigt wird. Diese Zurückhaltung lenkt den Fokus konsequent auf seine journalistische Arbeit statt auf seine Person, eine Strategie, die zu seiner ruhigen, unaufgeregten Moderationsweise passt.
FAQ zu Ramon Babazadeh
Wer ist Ramon Babazadeh?
Ramon Babazadeh ist ein deutscher Fernsehmoderator und Redakteur, 1989 in Braunschweig geboren, bekannt durch die Reiseformate “Wunderschön” (WDR) und “Expedition in die Heimat” (SWR).
Was hat Ramon Babazadeh studiert?
Er studierte Allgemeine Rhetorik an der Universität Tübingen und sammelte parallel erste journalistische Erfahrungen als Radioreporter beim SWR.
Warum nimmt Ramon Babazadeh sein Cello mit auf Dreharbeiten?
Er nutzt das Musizieren gezielt, um mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen und authentische, ungeplante Begegnungen zu schaffen, statt nur als Beobachter aufzutreten.
Welche Auszeichnung hat Ramon Babazadeh erhalten?
2020 wurde er mit dem Kurt-Magnus-Preis der ARD für sein multimediales Projekt “Eine Woche im Pflegeheim” ausgezeichnet.
Seit wann moderiert Ramon Babazadeh “Wunderschön”?
Seit 2022 ist er regelmäßig im WDR-Format “Wunderschön” zu sehen, bei “Expedition in die Heimat” für den SWR bereits seit 2021.
Fazit
Ramon Babazadeh ist mehr als ein weiteres Gesicht im deutschen Reisefernsehen. Seine Kombination aus rhetorischer Ausbildung, gezieltem Musikeinsatz und aktiver körperlicher Auseinandersetzung mit den bereisten Regionen macht ihn zu einem Moderator, der Geschichten nicht nur erzählt, sondern selbst mitgestaltet. Genau diese Methode dürfte erklären, warum er sich so schnell als feste Größe im öffentlich-rechtlichen Reisejournalismus etabliert hat.
Aktuelle Blogbeiträge: Carl Philip und Sofia






