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Anita Kupsch: Drei Krankheiten und ein Leben voller Stärke

Anita Kupsch: Drei Krankheiten und ein Leben voller Stärke

Klaus-Detlef Krahn hielt ihre Hand, als sie am Morgen des 3. Juli 2025 in einem Berliner Pflegeheim starb. “Es war eine Erlösung für sie”, sagte er danach der Deutschen Presse-Agentur — ein Satz, der mehr verrät als jede medizinische Diagnose. Anita Kupsch, die Millionen Deutsche als Gabi Köhler aus “Praxis Bülowbogen” kannten und liebten, hatte am Ende eines 85 Jahre langen Lebens einen langen, stillen Kampf gegen ihre Krankheit verloren — gegen eine Demenz, die ihr schließlich nahm, was sie am meisten definiert hatte: die Fähigkeit, sich zu erinnern.

Dreimal krank, zweimal geheilt

Wer verstehen will, was die Demenz für Anita Kupsch bedeutete, muss von vorn beginnen. Denn Kupschs Verhältnis zur Krankheit ist keine Geschichte des einmaligen Schicksalsschlags, sondern eine dreifache — und die ersten beiden Male endete sie mit ihrem Sieg.

Als junge Frau, noch in den Anfängen ihrer Karriere, wurde bei ihr Unterleibskrebs diagnostiziert. Eine Erkrankung, die damals wie heute oft mit einschneidenden Behandlungen verbunden ist und die viele Frauen aus dem Berufsleben reißt. Kupsch ließ sich behandeln, wurde geheilt und machte weiter. Jahrzehnte später, im Jahr 2011, folgte der zweite Schlag: Brustkrebs. Wieder Operation, Bestrahlung, Chemotherapie. Wieder eine Rückkehr. Sie spielte danach weiter Theater, stand noch 2017 in Köln auf der Bühne — im gleichen Jahr, in dem sie sich endgültig aus dem Fernsehen zurückzog.

2020 kehrte der Brustkrebs zurück. Auch diesen Rückfall überstand sie nach allem, was bekannt ist, medizinisch. Doch kurz darauf begann, was sich nicht durch Chemotherapie bekämpfen lässt.

Was die Demenz von allem anderen unterschied

Anita Kupsch hatte einmal, lange vor ihrer Erkrankung, über das Sterben gesprochen. “Dann mache ich was”, hatte sie dem Schlagersender Radio B2 gesagt, mit dem ihr eigenen berlinerischen Pragmatismus. “Auch nicht so lange im Bett liegen oder irgendwas. Das geht alles nicht — dann ist es aus.” Es war eine typische Kupsch-Aussage: direkt, ohne Sentimentalität, mit der ruhigen Sicherheit einer Frau, die weiß, was sie will.

Die Demenz ließ ihr diese Kontrolle nicht. Sie ist, anders als Krebs, keine Krankheit, gegen die man kämpfen kann im herkömmlichen Sinne. Sie nimmt nicht die Kraft, sondern das Gedächtnis. Sie nimmt nicht die Bewegung, sondern die Sprache. Ihr Ehemann Klaus-Detlef Krahn beschrieb es im Mai 2025, kurz vor ihrem Tod, im Gespräch mit der Bild-Zeitung: “Ich kann mich nicht mehr mit ihr unterhalten. Sie kann die Dinge nicht mehr aussprechen.” Und: Sie erkannte sich selbst in ihren alten Filmen nicht mehr wieder. Die Frau, die jahrzehntelang mit Präzision und Ausdruck gesprochen hatte — als Schauspielerin, als Synchronstimme für Goldie Hawn, Liza Minnelli und Kim Cattrall — konnte am Ende keine Sätze mehr formulieren.

In Deutschland leben nach Schätzungen der Deutschen Alzheimer Gesellschaft derzeit rund 1,8 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Die häufigste Form, Alzheimer, ist durch den schleichenden Verlust von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet — zunächst Vergesslichkeit, dann Orientierungsverlust, schließlich der Verlust von Sprache und Selbsterkennung. Welche genaue Form der Demenz bei Kupsch diagnostiziert wurde, ist nicht öffentlich bekannt. Ihr Krankheitsbild, wie es ihr Mann beschrieb, entspricht einem fortgeschrittenen Stadium.

Ein Mann, der blieb

Es gibt in dieser Geschichte einen Menschen, der selten im Mittelpunkt steht, es aber verdienen würde: Klaus-Detlef Krahn, seit 1987 Kupschs Ehemann. Beinahe 40 Jahre Ehe. Als die Demenz fortschritt und ein Leben im Pflegeheim unausweichlich wurde, pflegte er sie zunächst zu Hause — lange, geduldig, in einer Zeit, in der seine Frau mehr und mehr die Person wurde, die er nicht mehr kannte.

“Wir haben uns wie die Schnecke ins Häuschen zurückgezogen und machen es uns dort ganz gemütlich”, sagte er noch im Frühjahr 2025. “Für mich gilt ganz klar: in guten wie in schlechten Zeiten.” Als sie schließlich starb, hielt er ihre Hand. Seine Abschiedsworte — “Ich bin froh, dass meine kleine Maus es jetzt geschafft hat. Sie hat sich ja nur noch gequält” — sind keine Trauerfloskel. Sie sind das Echo einer Erschöpfung und einer Liebe, die bis zum Ende hielt.

Die andere Karriere: eine Stimme für Hollywood

Wer Anita Kupsch nur als Gabi Köhler kennt, kennt nur die Hälfte. Parallel zu ihrer Film- und Theaterkarriere arbeitete sie jahrzehntelang als Synchronsprecherin — und prägte damit das deutsche Hörerlebnis einer ganzen Generation von Filmzuschauern, ohne dass die meisten es wussten.

Goldie Hawn, Liza Minnelli, Kim Cattrall, Amanda Barrie — Kupsch lieh diesen Frauen auf Deutsch ihre Stimme. Das ist kein Nebenjob. Synchronarbeit auf diesem Niveau erfordert dieselbe Technik und dasselbe Gespür für Rhythmus und Emotion wie jede Bühnenarbeit. Es ist die Fähigkeit, eine Persönlichkeit in einer anderen Sprache vollständig zu rekonstruieren — Tempo, Färbung, Charakter. Kupschs Stimme war dabei so unverwechselbar berlinisch und zugleich so wandlungsfähig, dass sie für völlig unterschiedliche Schauspielerinnentypen eingesetzt werden konnte.

Diese Dimension ihres Werks ist in den Nachrufen fast vollständig untergegangen. Es wurde erwähnt, aber nicht gewürdigt. Dabei ist sie es, die Kupschs Karriere von der einer typischen Serienbekanntheit unterscheidet: Sie war nicht nur Gesicht, sondern auch Stimme — in zwei parallelen Kunstberufen.

Vom Berliner Kiez zur Legende

Anita Kupsch wurde am 18. Mai 1940 in Berlin geboren, Tochter eines Kaufmanns. Sie absolvierte nach dem Gymnasium zunächst eine Ausbildung zur Visagistin, nahm Ballett- und Jazztanzunterricht und studierte schließlich Anfang der 1960er Jahre an der UFA-Nachwuchsschauspielschule von Else Bongers. Es war eine ungewöhnliche Kombination, die sich für sie als ideal erwies: Körperbewusstsein, Stimme, Bühnenpräsenz.

1962 debütierte sie im Kinofilm “Tunnel 28”, einem Fluchtdrama über die Berliner Mauer — einem Film, der inhaltlich wie biografisch zur Berliner passte, die sie war. Es folgten Fernsehauftritte, Theaterengagements in ganz Deutschland, die Serienrolle als “Biggy” in “Okay S.I.R.” in den 1970er Jahren. Den Durchbruch ins kollektive Gedächtnis aber brachte erst “Praxis Bülowbogen”: Ab 1987 spielte sie an der Seite von Günter Pfitzmann in 107 Folgen die Arzthelferin Gabi Köhler — eine Frau mit Herz, Berliner Schnauze und stiller Zuneigung zu ihrem Chef. Als Pfitzmann 1996 ausstieg, hörte auch Kupsch auf. Es war die richtige Entscheidung.

Ihre Tochter Daniela Lohmeyer führt das handwerkliche Erbe weiter — ebenfalls als Schauspielerin und Synchronsprecherin.

Fazit

Anita Kupschs Krankengeschichte ist nicht die Geschichte einer Frau, die krank war und starb. Sie ist die Geschichte einer Frau, die dreimal von schwerer Krankheit getroffen wurde, zweimal zurückkämpfte und beim dritten Mal — gegen eine Demenz, die ihr die Erinnerung und die Sprache nahm — nicht mehr kämpfen konnte, weil das Werkzeug des Kämpfens selbst versagt hatte. Was bleibt, ist ein Werk aus über fünf Jahrzehnten Schauspiel, eine unverwechselbare Stimme und ein Mann, der bis zuletzt ihre Hand hielt.


FAQ: Häufige Fragen zu Anita Kupsch und ihrer Krankheit

An welcher Krankheit litt Anita Kupsch? In ihren letzten Lebensjahren litt Anita Kupsch an einer schweren Demenzerkrankung. Zuvor hatte sie mehrfach Krebs überstanden: Als junge Frau wurde Unterleibskrebs diagnostiziert, 2011 erkrankte sie an Brustkrebs, der 2020 zurückkehrte.

Wann und wo ist Anita Kupsch gestorben? Anita Kupsch starb am 3. Juli 2025 um 9 Uhr morgens in einer Berliner Pflegeeinrichtung, im Alter von 85 Jahren. Bei ihr war ihr Ehemann Klaus-Detlef Krahn.

Wer hat Anita Kupsch gepflegt? Ihr Ehemann Klaus-Detlef Krahn, mit dem sie seit 1987 verheiratet war, pflegte sie über viele Jahre zu Hause. Zuletzt lebte sie in einem Berliner Pflegeheim, wo er sie bis zu ihrem Tod regelmäßig besuchte.

Was war Anita Kupschs bekannteste Rolle? Ihre bekannteste Rolle war die Arzthelferin Gabi Köhler in der ARD-Vorabendserie “Praxis Bülowbogen”, die sie von 1987 bis 1996 in 107 Folgen an der Seite von Günter Pfitzmann spielte.

Was machte Anita Kupsch neben der Schauspielerei? Kupsch war eine gefragte Synchronsprecherin und lieh ihre Stimme internationalen Schauspielerinnen wie Goldie Hawn, Liza Minnelli und Kim Cattrall. Ihre Tochter Daniela Lohmeyer ist ebenfalls als Schauspielerin und Synchronsprecherin tätig.

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