Es gibt ein Jahr im Leben von Bert Trautmann, das alles zusammenfasst, was an seiner Geschichte so unbegreiflich und zugleich so zutiefst menschlich ist: 1956. Im Mai stand er im Wembley-Stadion, spielte mit einem gebrochenen Hals das FA-Cup-Finale zu Ende und wurde zur Legende. Knapp drei Wochen später starb sein fünfjähriger Sohn John bei einem Autounfall. Das Privatleben von Bert Trautmann — insbesondere seine Beziehungen zu seinen Ehepartnerinnen — lässt sich ohne dieses Jahr nicht verstehen. Denn 1956 war der Riss, der eine Ehe langsam, aber unaufhaltsam zum Einsturz brachte.
Vom Kriegsgefangenen zum Familienvater: Die ersten Jahre in England
Bernhard Carl Trautmann, geboren am 22. Oktober 1923 in Bremen-Walle, kam als Kriegsgefangener nach Lancashire. Was wie eine Strafe begann, wurde zur Lebensgrundlage: Nach seiner Freilassung 1948 blieb er freiwillig in England, arbeitete auf einem Bauernhof in Milnthorpe und machte bald durch außergewöhnliche Torwartleistungen beim Amateurklub St. Helens Town auf sich aufmerksam. Es war genau dieser Klub, der sein Schicksal in mehrerer Hinsicht entschied — nicht nur sportlich.
Jack Friar, der Vereinsdirektor von St. Helens Town, war es, der Trautmann einige seiner frühen Chancen gab. Und es war Friars Tochter, Margaret, die das Herz des jungen Deutschen gewann. Die beiden heirateten am 30. März 1950 — zu einer Zeit, in der ein früherer deutscher Fallschirmjäger in England keine Selbstverständlichkeit als Nachbar, geschweige denn als Schwiegersohn war. Trautmanns Eltern konnten wegen Krankheit und Geldmangel nicht an der Hochzeit teilnehmen. Der Beginn dieser Ehe war von Anfang an ein Akt des Mutes — auf beiden Seiten.
Margaret Friar: Die Frau, die eine Nation überzeugte
Wenn man verstehen will, wie Bert Trautmann zum anerkannten Star in England werden konnte, muss man Margaret Friar gerecht werden. Als Trautmann im Oktober 1949 zu Manchester City wechselte, demonstrierten rund 20.000 Menschen gegen die Verpflichtung eines ehemaligen deutschen Soldaten. Margaret stand zu ihrem Mann, auch als Briefe mit Drohungen ankamen, auch als die Atmosphäre in Stadien noch feindselig schwelte.
Gemeinsam bauten sie ein Leben auf. 1950 kam Sohn John zur Welt, später folgten Mark und Stephen. Margaret übernahm die gesamte Last des Familienlebens, während Bert Woche für Woche zwischen den Pfosten stand und sich nach und nach die Zuneigung des englischen Publikums erspielte. 1956 wurde er zum Footballer of the Year gewählt — als erster Torwart und erster ausländischer Spieler überhaupt. Es war der Höhepunkt, auf den Margaret jahrelang mithingearbeitet hatte.
Doch das Jahr, das Bert Trautmann unsterblich machte, sollte ihr Leben zerstören.
Das Jahr 1956: Triumph und Katastrophe in einem Atemzug
Am 5. Mai 1956 spielte Bert Trautmann das FA-Cup-Finale gegen Birmingham City. In der 75. Minute warf er sich in eine Hereingabe und wurde dabei vom Knie des Stürmers Peter Murphy am Hals getroffen. Er spielte weiter — die restlichen 17 Minuten mit einem gebrochenen Hals. Manchester City gewann 3:1. Erst Tage später bestätigten Röntgenaufnahmen: Der zweite Halswirbel war gebrochen und hatte sich gegen den dritten verklemmt. Nur dieser Zufall rettete Trautmann das Leben. Der Arzt sagte ihm, schon ein einziger Ruck im Bus nach Hause hätte ihn töten können.
Wenige Wochen nach diesem medizinischen Wunder, am 25. Mai 1956, bat John Trautmann seine Mutter um Kleingeld für Süßigkeiten. Er wollte zu einem Lieferwagen auf der anderen Straßenseite. Was dann geschah, hat Bert Trautmann in Interviews später immer wieder als den schlimmsten Moment seines Lebens beschrieben: John wurde von einem Auto erfasst und starb. Er war fünf Jahre alt.
Für Margaret war dieser Verlust nicht verarbeitbar. Sie zog sich in eine tiefe Depression zurück. Eine weitere Schwangerschaft schien kurzzeitig Hoffnung zu bringen — im Dezember 1958 wurde Stephen geboren — und 1960 folgte Mark. Aber die Ehe, die den gesellschaftlichen Druck des Nachkriegsenglands überstanden hatte, zerbrach an einem Schicksalsschlag, der zu groß war, um gemeinsam getragen zu werden. 1972 wurde die Ehe geschieden.
Was diesen Zusammenbruch so tragisch macht: Es war nicht Gleichgültigkeit, die die beiden trennte. Es war die schiere Unmöglichkeit, denselben Schmerz auf dieselbe Weise zu empfinden und gleichzeitig weiterzuleben. Trautmann selbst hat in seiner Biografie beschrieben, wie sehr der Tod des Sohnes Margarets Fähigkeit zur Lebensfreude dauerhaft erschütterte. Sie starb am 16. August 1980 in Wales — mit nur 50 Jahren, acht Jahre nach der Scheidung.
Ursula von der Heyde: Rückkehr zu deutschen Wurzeln
Nach dem Ende seiner ersten Ehe heiratete Bert Trautmann 1974 Ursula von der Heyde, eine Deutsche. Diese zweite Ehe fiel in eine Phase, in der Trautmann als Trainer tätig war — unter anderem für Nationalmannschaften in Burma und Pakistan, als Botschafter des deutschen Fußballs in der Welt. Mit Ursula teilte er wieder die Sprache seiner Kindheit, die kulturellen Bezugspunkte, den deutschen Alltag.
Die Verbindung zu Ursula war stärker von gemeinsamen Interessen geprägt, weniger von dem öffentlichen Druck, den die erste Ehe bestimmt hatte. Dennoch hielt auch diese Ehe nicht dauerhaft: 1982 wurde sie geschieden. Die genauen Gründe blieben privat, wie es Trautmanns Art entsprach. Er sprach öffentlich selten über sein Innenleben — ein Mann seiner Generation, der gelernt hatte, Schmerz zu schweigen.
Marlis Trautmann: Frieden im spanischen Exil
Die dritte und letzte Ehe schloss Bert Trautmann 1986 mit Marlis. Mit ihr zog er schließlich nach Spanien, in ein kleines Haus in La Llosa nahe Valencia — weit weg vom englischen Regen, weit weg von Manchester und den Erinnerungen. Marlis war es, die ihn durch die letzten Jahrzehnte seines Lebens begleitete, und sie war dabei, als die Welt Trautmanns Geschichte neu entdeckte.
Im Jahr 2010 erschien die autorisierte Biografie von Catrine Clay, Trautmann’s Journey, die auf Deutsch unter dem Titel Trautmanns Weg: Vom Hitlerjungen zur englischen Fußball-Legende veröffentlicht wurde. Marlis Trautmann präsentierte das Buch im Oktober 2013 auf der Frankfurter Buchmesse — kurz nach dem Tod ihres Mannes am 19. Juli 2013 in La Llosa, im Alter von 89 Jahren. Es war ein letzter, stiller Akt der Loyalität.
Was man selten liest: Marion Greenhill und die vergessene Tochter
Ein Kapitel, das in den meisten Darstellungen über Bert Trautmanns Ehepartner fehlt oder nur gestreift wird, betrifft seine erste Verlobte. Noch in St. Helens, vor seiner Ehe mit Margaret, hatte Trautmann eine Beziehung mit Marion Greenhill — und noch bevor ihre gemeinsame Tochter Frieda zur Welt kam, verließ er Marion. Frieda wuchs ohne ihren Vater auf. Dieses Detail gehört zur vollständigen Geschichte eines Mannes, der nicht nur Bewunderung verdient, sondern auch ehrliche Betrachtung.
FAQ: Häufige Fragen zu Bert Trautmanns Ehepartnerinnen
Wer waren Bert Trautmanns Ehefrauen? Bert Trautmann war insgesamt dreimal verheiratet: mit Margaret Friar (Heirat 1950, Scheidung 1972), Ursula von der Heyde (Heirat 1974, Scheidung 1982) und Marlis (Heirat 1986, bis zu seinem Tod 2013 an seiner Seite). Vor seiner ersten Ehe hatte er außerdem eine Beziehung mit Marion Greenhill, mit der er eine Tochter namens Frieda hatte.
Wie haben sich Bert Trautmann und seine erste Frau Margaret kennengelernt? Trautmann lernte Margaret Friar kennen, als er beim Amateurklub St. Helens Town spielte, dessen Direktor ihr Vater Jack Friar war. Die Beziehung begann Ende der 1940er Jahre, die Hochzeit fand am 30. März 1950 statt.
Warum zerbrach die erste Ehe von Bert Trautmann? Der entscheidende Faktor war der Tod des gemeinsamen Sohnes John im Mai 1956 — wenige Wochen nach dem legendären FA-Cup-Finale, in dem Trautmann trotz Genickbruch weiterspielte. Laut Trautmanns eigenen Aussagen konnte Margaret den Verlust nie vollständig verwinden, was die Ehe zunehmend belastete. 1972 folgte die Scheidung.
Wann und wo starb Bert Trautmann? Bert Trautmann starb am 19. Juli 2013 in La Llosa in der Provinz Castellón, Spanien, im Alter von 89 Jahren — an der Seite seiner dritten Frau Marlis.
Was ist das sportliche und gesellschaftliche Vermächtnis von Bert Trautmann? Trautmann bestritt 545 Pflichtspiele für Manchester City (1949–1964), wurde 1956 als erster Torhüter und erster Ausländer zum FWA Footballer of the Year gewählt und erhielt 2004 einen Ehren-OBE für seine Verdienste um die deutsch-britische Verständigung. Der 2018 erschienene Spielfilm Der Torwart mit David Kross erzählt seine Geschichte.
Fazit
Bert Trautmanns Leben ist kein geradliniger Weg vom Krieg zum Triumph. Es ist eine Geschichte voller Brüche — und seine Ehen sind der ehrlichste Spiegel davon. Margaret Friar gab ihm den Rückhalt, ohne den er in England nie hätte Fuß fassen können. Das Jahr 1956, das ihn als Sportler unsterblich machte, trug gleichzeitig den Keim der Zerstörung in sich. Ursula von der Heyde war eine Rückkehr zu sich selbst. Und Marlis gab ihm, was ein Mensch nach so viel Verlust am meisten braucht: Beständigkeit. Wer Bert Trautmann nur als Torwart kennt, kennt nur die Hälfte seiner Geschichte.
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