Sie hatte noch nie eine einzige Fernsehsendung moderiert, als das ZDF ihr 2006 einen der begehrtesten Plätze im deutschen Sportfernsehen anbot. Katrin Müller-Hohenstein übernahm “Das aktuelle Sportstudio” – ohne Vorerfahrung vor der Kamera, ohne TV-Reputation. Was folgte, war eine der ungewöhnlichsten Karrieren im deutschen Sportjournalismus.
Herkunft und frühe Jahre in Franken
Katrin Müller-Hohenstein wurde am 2. August 1965 in Erlangen geboren. Nach dem Abitur begann sie ein Studium der Theaterwissenschaften an der Friedrich-Alexander-Universität in ihrer Heimatstadt – ein Studium, das sie jedoch nie abschloss.
Stattdessen zog sie die Praxis vor. 1987 absolvierte sie ein Praktikum bei Radio Starlet in Nürnberg, kurz darauf folgte ein Volontariat beim Sender Radio Gong. Damit war der Weg klar: Rundfunk statt Bühne.
Fünfzehn Jahre Radio – eine solide Basis
Von Nürnberg aus wechselte sie zu Antenne Bayern in München, wo sie unter anderem das Nachmittagsmagazin “Servus Bayern” und “Guten Morgen Bayern” moderierte. Diesem Sender blieb sie 15 Jahre treu – eine Konstanz, die in der Medienbranche selten ist.
Anschließend wechselte sie zum Bayerischen Rundfunk, Programm Bayern 1, wo sie als Moderatorin und Live-Reporterin mit Schwerpunkt Sport arbeitete. Insgesamt verbrachte sie rund zwei Jahrzehnte im Radio, bevor das ZDF auf sie aufmerksam wurde.
Der Sprung ins TV ohne TV-Erfahrung
Im Januar 2006 übernahm Katrin Müller-Hohenstein “Das aktuelle Sportstudio” im ZDF – als Nachfolgerin von Rudi Cerne, der die Sendung über viele Jahre geprägt hatte. Was damals kaum diskutiert wurde: Sie hatte zu diesem Zeitpunkt keine einschlägige Fernseherfahrung.
Das ist in der deutschen Senderlandschaft ausgesprochen ungewöhnlich. Wer eine der ältesten und bekanntesten Sportsendungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übernimmt, kommt in der Regel mit jahrelanger TV-Erfahrung im Gepäck. Müller-Hohenstein brachte stattdessen ein Handwerk aus dem Radio mit – und setzte es vor der Kamera offenbar überzeugend um.
Was “Das aktuelle Sportstudio” bedeutet
Die Sendung läuft seit 1963 und ist damit eine der langlebigsten Sportsendungen im deutschen Fernsehen. Sie gilt als Pflichttermin für Sportinteressierte, kombiniert Analyse, Interviews und Unterhaltung – und stellt hohe Ansprüche an die Moderierenden.
Wer hier besteht, gehört zur ersten Reihe des deutschen Sportjournalismus. Müller-Hohenstein moderiert die Sendung seit 2006 im Wechsel mit Kollegen wie Sven Voss und Jochen Breyer – über fast zwei Jahrzehnte hinweg.
Die Kontroverse, die ihre Karriere hätte beenden können
Am 13. Juni 2010, während der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika, moderierte Müller-Hohenstein die Halbzeitpause des Spiels Deutschland gegen Australien. Im Zusammenhang mit einem Tor von Miroslav Klose fiel ein Satz, der bundesweit für Empörung sorgte: Sie bezeichnete das Erlebnis als “inneren Reichsparteitag” für den Stürmer.
Der Begriff entstammt NS-Vokabular und war in einem öffentlich-rechtlichen Kontext vor Millionenpublikum völlig fehl am Platz. Das ZDF reagierte sofort: Sportchef Dieter Gruschwitz erklärte via Twitter, es sei “eine sprachliche Entgleisung im Eifer der Halbzeitpause” gewesen. Müller-Hohenstein selbst bedauerte die Formulierung öffentlich.
Warum sie trotzdem blieb
Berufliche Konsequenzen hatte die Affäre für sie keine – und das ist bemerkenswert. Nur vier Jahre nach ihrem TV-Einstand, ohne gefestigte Fernseh-Reputation, hatte sie eine Kontroverse dieser Größenordnung überstanden.
Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, spielte bei der Einordnung eine wichtige Rolle: Er sprach von keiner bösen Absicht und betonte, dass viele Menschen bei dem Ausdruck nicht an die NSDAP denken würden. Diese Einordnung trug dazu bei, die Diskussion zu versachlichen – und damit auch Müller-Hohensteins Position zu stabilisieren.
Auszeichnungen und Großereignisse
Seit ihrem ZDF-Einstieg hat sie nahezu jedes große Sportjahr begleitet. Fußball-Weltmeisterschaften 2010, 2014 und 2018, Europameisterschaften, Olympische Sommer- und Winterspiele – Müller-Hohenstein war als Studiomoderatorin oder Reporterin dabei.
2008 erhielt sie den Bayerischen Sportpreis für “Herausragende Präsentation des Sports”. 2012 folgte die Goldene Kamera in der Kategorie “Beste Information, beste Sportmoderation” – eine der renommiertesten Auszeichnungen im deutschen Fernsehen. 2021 wurde sie zur “Sportjournalistin des Jahres” gewählt.
Abseits des Sports: Engagement und ungewöhnliche Auftritte
Neben ihrer Moderationstätigkeit ist Müller-Hohenstein als Dozentin an verschiedenen Hörfunkakademien und der Technischen Universität München tätig. Sie ist Patin des Christian-Ernst-Gymnasiums in Erlangen im Rahmen des Aktionsbündnisses “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”.
2021 trat sie in der ProSieben-Show “The Masked Singer” auf – im Kostüm eines Schweins. Sie sang “Sun is Shining” von Bob Marley, wurde jedoch bereits in der ersten Folge enttarnt. Ein Auftritt, der zeigte, dass sie sich auch jenseits des Sportjournalismus nicht zu ernst nimmt.
Privatleben: diskret und außerhalb des Rampenlichts
Von 1996 bis 2007 war Müller-Hohenstein mit dem Radiomoderator Stefan Parrisius verheiratet. Aus dieser Ehe stammt ein gemeinsamer Sohn, geboren 1995. Nach der Scheidung blieb ihr Privatleben weitgehend aus der Öffentlichkeit heraus.
Sie lebt in München – ein logischer Wohnort angesichts ihrer Verbindungen zum Bayerischen Rundfunk und zu Antenne Bayern, bei dem sie seit 2021 wieder den wöchentlichen Talk “Sonntagsfrühstück” moderiert.
Häufig gestellte Fragen zu Katrin Müller-Hohenstein
Wer ist Katrin Müller-Hohenstein?
Sie ist eine deutsche Sportjournalistin und Fernsehmoderatorin, bekannt vor allem durch “Das aktuelle Sportstudio” im ZDF, das sie seit 2006 moderiert.
Warum wurde Katrin Müller-Hohenstein 2010 kritisiert?
Sie verwendete während der Fußball-WM 2010 in der Halbzeitpause den Begriff “innerer Reichsparteitag” in Bezug auf Miroslav Klose. Das ZDF entschuldigte sich umgehend, berufliche Konsequenzen gab es nicht.
Welche Auszeichnungen hat Katrin Müller-Hohenstein erhalten?
Unter anderem den Bayerischen Sportpreis 2008, die Goldene Kamera 2012 für beste Sportmoderation sowie den Titel “Sportjournalistin des Jahres” 2021.
Hat Katrin Müller-Hohenstein Kinder?
Ja, sie hat einen Sohn, geboren 1995, aus ihrer Ehe mit dem Radiomoderator Stefan Parrisius, von dem sie 2007 geschieden wurde.
Wo ist Katrin Müller-Hohenstein aktuell tätig?
Sie moderiert weiterhin “Das aktuelle Sportstudio” beim ZDF sowie seit 2021 den Talk “Sonntagsfrühstück” bei Antenne Bayern.
Fazit
Katrin Müller-Hohenstein ist eine Ausnahmeerscheinung im deutschen Sportjournalismus – nicht trotz ihres ungewöhnlichen Einstiegs ohne TV-Erfahrung, sondern gerade deshalb. Wer in dieser Ausgangslage fast zwei Jahrzehnte lang in einer der bekanntesten deutschen Sportsendungen bestehen kann und dabei selbst eine handfeste öffentliche Kontroverse übersteht, hat mehr als journalistisches Handwerk bewiesen.
Aktuelle Blogbeiträge: Wolfgang Feindt






